Die Rezension Sebastian Haffner, Anmerkungen zu Hitler

Die Rezension Sebastian Haffner, Anmerkungen zu Hitler

s Anna Wrzesinska.

Sebastian Haffner, ein geborener Berliner, promovierte in Jura kurz vor der Machtübernahme durch Hitler, hat aber den Beruf nie selbständig ausgeübt. Während des Nationalsozialismus arbeitete er als Journalist und hielt sich von der Politik fern. Im Jahre 1938 emigrierte er nach England und von dort aus beobachtete er und analysierte die Situation in der Heimat. Ein Jahr später, im Jahre 1939 schrieb er ein geniales und prophetisches Buch, das aber erst postum erschienen ist –„Die Geschichte eines Deutschen“. Das war zugleich ein Präludium zu seinem bekanntesten Werk – zu den „Anmerkungen zu Hitler“, welche im Jahre 1978 geschrieben wurden. 


In den schlichten Worten, aber mit chirurgischer Präzision beschreibet Haffner darin die Welt um sich und die Person, die die Geschichte Deutschlands und der Welt zutiefst beeinflusst und bestimmt hat – Adolf Hitler. Die Aussage des Führers: „Als letzten Faktor muss ich in aller Bescheidenheit meine eigene Person nennen: unersetzbar. Das Schicksal des Reiches hängt nur von mir ab“ scheint als genügender Grund um ein Buch zu schreiben, in dem man sich der Reihenfolge nach mit Hitlers Leben, Leistungen, Erfolge, Irrtümer, Fehler, Verbrechen und Verrat beschäftigt.


Haffner unterscheidet sich in seiner Analyse von den anderen Biographen und Historiker, die sich mit diesem Thema befasst haben. Weder Alan Bullock noch Joachim Fest oder Eberhard Jäckel argumentieren mit solcher Kraft und Überzeugung. Er scheint eine seltene Fähigkeit besessen zu haben, die Wirklichkeit und die Prozesse mit kühlem Verstand, der alles begreifen will und kann, aber zugleich mit dem Mut die Thesen zu stellen und Urteile abzugeben, die weitgehend bedeutungsvoll sind, einzufangen.


Haffner meint: „Dass Hitler falsch gerechnet hat, schafft die Zahlen nicht ab“ und wagt die Themen zu besprechen, an die sich vorher keiner herangewagt hat, und die eigentlich bis heute ein Tabu sind: Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus, Ausrottung der Juden. Ohne Angst aber auch ohne Vorurteile befasst er sich mit den schwerwiegenden Aussagen von Hitler und beurteilt das Werk seines Lebens ohne Nüchternheit, aber immer noch mit der nötigen Distanz.


Das Buch lässt sich nicht als eine langweilige Biographie lesen. Die Spannung ist da. Haffner erzählt mit einem Eifer, der ansteckend wirkt und dem Leser mit jeder schon gelesenen Seite klarmacht, wie wichtig dieses Thema für jeden ist, der in dem heutigen Europa lebt und es verstehen will. Am Ende des Buches fragt man sich, wie man Deutschland und ihre Geschichte ohne diese Lektüre verstehen könnte.

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